Adrienne Goehler ist Aufmüpfige Frau 2026!

Foto: Wenke Seemann

Die Jury wählte Adrienne Göhler zur Aufmüpfigen Frau 2026, weil sie in ihrem feministischen Engagement die vier Aspekte der Stiftung Aufmüpfige Frauen kongenial allumfassend umsetzt: personenzentriert und gemeinwohlorientiert; patriarchatskritisch aber nicht männerfeindlich; egalitär doch nicht elitär, vielfältig und nicht dogmatisch.

Adrienne Goehler, *1955, ehem. Präsidentin der Kunsthochschule Hamburg, Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Kultur, 13 Jahre Kuratorin der Ausstellung “ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN! Erkundungen in Ästhetik und Nachhaltigkeit”. Sie bringt Kunst, Feminismus, Politik, Ökologie und Wissenschaft zusammen. Geschlechtergerechtigkeit ist für sie Teil einer umfassenden sozial-ökologischen Transformation.

Sie ermutigt zu einer Politik, die lebendig, undogmatisch und immer auch spaßbetont eingreift. Dabei ist sie auf eine radikal feministische Weise aufmüpfig – sie provoziert, stiftet an, bringt Leute zusammen, vernetzt und ermutigt. Ihr Feminismus kritisiert unmissverständlich den Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus und hat mit dem Fokus auf ‚Sorge‘ als Maßstab gesellschaftlicher Arbeit einen grundlegenden Wandel des Wirtschaftens im Blick.

Sie wird im wahrsten Sinne aus einer konstruktiven Aufmüpfigkeit, die stärker ist als Wut, getrieben, wenn sie ihre Fassungslosigkeit, Ohnmacht, Erschöpfung angesichts des bedrohlichen Zustands der Welt konstruktiv in Bewegungsenergie umlenkt. Unter der Parole „ENOUGH! GENUG! BASTA!“ initiierte sie den Internationalen Frauen*Generalstreik am 9. März 2026. Damit knüpft sie an weltweite Frauenbewegungen an und zugleich an eine Streiktradition, die 1994 die Frauenbewegungen in Ost- und Westdeutschland begründeten. In einer Region wie dem Ruhrgebiet  ist ‚Streik‘ stark mit der gewerkschaftlichen Lesart als Konflikt zwischen Kapital und Arbeit verbunden. Arbeit ist dabei immer Erwerbsarbeit. Doch was braucht es, bevor industriell marktvermitteltes Wirtschaften überhaupt möglich ist? Es braucht auf der einen Seite Sorgetätigkeiten, die noch immer zumeist von Frauen geleistet werden, auf der anderen Seite ökologische Ressourcen, auf die das marktvermittelte Wirtschaften zurückgreift: sauberes Wasser, saubere Luft, Rohstoffe, Boden, auf dem Fabriken gebaut und Müllhalden aufgetürmt werden. Diese Ebenen des Wirtschaftens macht Adrienne Goehler sichtbar. Mit ihrer feministischen Perspektive schärft sie den Blick für den Zusammenhang zwischen Geschlechterverhältnissen auf der einen und ökonomischen Ungleichheiten auf der anderen Seite. Sie stellt die Grenzziehungen zwischen Produktivität, Reproduktivität und ihre Durchdringung mit der Geschlechterordnung infrage – mit Künstlerischen, politischen, wissenschaftlichen Mitteln.